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Seite 9 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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 Sport für Kinder und Jugendliche
Die Vielfalt des Sports von und für Menschen mit Behinderung
Bewegung, Spiel und Sport

Es geht nicht um Mitleid, sondern um gegenseitige Anerkennung und Respekt.

Kinder und Jugendliche - ob mit oder ohne Behinderung - verfügen über einen aus- geprägten Spiel- und Bewegungsdrang. Sie möchten Spaß haben, neue Erfahrungen machen, aktiv sein und sich wohl fühlen. Generell gilt: Alle Kinder und Jugendlichen können an Bewegungs-, Spiel- und Sportangeboten teilnehmen.
Bevor Kinder und Jugendliche mit Behinderung mit sportlichen Aktivitäten starten, sollten jedoch zunächst einige Rahmenbedingungen besprochen werden, damit individuelle Voraussetzungen und mögliche Bedarfe von Beginn an Berücksichtigung finden. Hier sollten Eltern, Übungsleiter*innen, Ärzt*innen, Betreuer*innen und natürlich die Kinder und Jugendlichen selbst mit einbezogen werden:
- Besteht die Notwendigkeit einer besonderen Betreuung (eins zu eins) im Sinne einer Assistenz, einer emotionalen Begleitung oder einer pädagogischen Betreuung?
- Wird der*die junge Sportler*in von einer Assistenz, den Eltern, einer gesetzlichen Vertretung oder eine*r Betreuer*in beim Sportangebot begleitet?
- Gibt es medizinische Faktoren (z. B. Anfälle, Einschränkungen, Medikamenteneinsatz, Ängste), die bekannt sein sollten?
Gegenseitiges Verständnis, Anerkennung und Respekt
Wenn Kinder auf andere Kinder mit Behinderung treffen, die bspw. im Rollstuhl sitzen, einbeinig amputiert sind oder anders aussehen und sich ggf. auch anders verhalten, üben sie sich nicht in er- wachsener Zurückhaltung. Vielmehr äußern sie ihre Verwunderung oder stellen aus Neugier Fragen. Vor allem, wenn Kinder mit Behinderung neu in eine Gruppe kommen, ist eine altersgerechte Auf- klärung über die Verschiedenheit von Menschen wichtig. Doch auch im Trainingsalltag können immer wieder Situationen auftreten, in denen Übungsleiter*innen in der Rolle als Vermittler*innen gefragt sind. Dabei geht es besonders darum, für ein gegenseitiges Verständnis zu sorgen, vor allem auch mit Blick auf Mannschaftssportarten. Die Schilderung von Hintergründen, Moderation möglicher Pro- bleme oder der Umgang mit drohenden Konflikten ist von großer Bedeutung für das gemeinsame Miteinander. Wichtig ist es, vor allem die Fähigkeiten und Fertigkeiten in den Vordergrund zu stellen, statt Menschen auf die Behinderung zu reduzieren. Dabei muss es das Ziel sein, alle Sportler*innen in die Gruppe zu inkludieren, ohne ihnen eine Sonderrolle zukommen zu lassen – es geht schließlich nicht um Mitleid, sondern um gegenseitige Anerkennung und Respekt.
Für den Anfang kann es hilfreich sein, den jungen Sportler*innen mit Behinderung Trainingspart- ner*innen zur Seite stellen, bis Trainingsabläufe und Übungen bekannt sind. Dabei können Trainings- partner*innen aus der bestehenden oder einer anderen, z. B. älteren Gruppe kommen, aber auch externe Freizeitbegleiter*innen beim Einstieg ins Training unterstützen. Durch die verschiedenen körperlichen, geistigen oder auch sozialen Voraussetzungen muss das Training zudem flexibler und individueller gestaltet werden, ohne dabei die Gruppe als Gesamtheit aus den Augen zu verlieren. So können Übungen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden ausgeführt werden, z. B. den Ball dribbeln
oder einfach tragen. Insbesondere in Mannschaftssportarten kann es sinnvoll sein, dass Kinder und Jugendliche in passenden Kleingruppen in ihrem eigenen Tempo trainieren und später
das Gelernte im Mannschafttraining wiederholen und vertiefen.
Unabhängig von der jeweiligen Sportarten ist die Begegnung im und durch Sport der Schlüssel zu gelebter Inklusion. Je mehr Zeit Kinder und Jugend- liche mit und ohne Behinderung miteinander verbringen, desto weniger Ängste bestehen und umso „alltäglicher“ wird der gemeinsame Umgang miteinander. Im Sport gibt es stets die Möglichkeit, sich zu ver- bessern und zu lernen – nicht nur auf sportlicher, sondern auch auf zwischenmenschlicher Ebene.

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