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Seite 13 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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 Der paralympische Leistungssport
Die Vielfalt des Sports von und für Menschen mit Behinderung

„Sport für die Gelähmten und andere schwer Behinderte ist das beste Mittel für die soziale Wiedereingliederung in die Gemeinschaft.“

Dies waren vor einigen Jahrzehnten die Worte von Sir Ludwig Guttmann, Gründervater der 1948 ins Leben gerufenen Stoke Mandeville Games, die sich zu den Weltspielen der Gelähmten und schließlich zu den Paralympics entwickelten. „Die Idee der Olympischen Spiele wird von den gelähmten Sportlern in einer vorzüglichen Weise in die Tat umgesetzt“, sagte der Neurologe. Guttmanns Gedanke war es, das Potenzial des Sports auch für Menschen mit Behinderung nutzbar zu machen. Im Vordergrund standen sowohl die medizinische Rehabilitation als auch die Freude am sportlichen Wettkampf und die Stärkung des Selbstbewusstseins.

Inzwischen haben sich die Paralympics aus einem Nischendasein zu einem globalen Sportereignis entwickelt, das auf eindrucksvolle Art und Weise die Leistungsfähigkeit von Menschen mit Behinderung vor Augen führt. Mit der veränderten Wahrnehmung des Sports von Menschen mit Behinderung haben die Paralympics zum Paradigmenwechsel beigetragen: Weg vom Gedanken der Integration, hin zum Gedanken der Inklusion. Die Teilnahme am drittgrößten Sportevent der Welt ist das große Ziel zahlreicher Leistungssportler*innen mit Behinderung. 

Insgesamt gibt es 28 Sportarten, die zum Programm der Paralympics gehören – 22 im Sommer und sechs im Winter (Stand 2020). Darüber hinaus gibt es einige weitere Sportarten mit internationalen Wettkampfstrukturen, in denen sich Athlet*innen mit Behinderung bis hin zu Welt- und Europameisterschaften messen.

Grundlagen des Para Sports: 
Klassifizierung, technische Hilfsmittel und Guides

Die Basis des leistungsorientierten Sports von Menschen mit Behinderung ist das Klassifizierungssystem. Durch die unterschiedlichen Behinderungen sind die jeweiligen Voraussetzungen zur Ausübung einer Sportart besonders individuell und vielfältig. Für die verschiedenen Sportarten wurde daher ein umfangreiches Klassifizierungssystem entwickelt, um einerseits gerechte Wettkämpfe zu ermöglichen und andererseits die Attraktivität des Sports zu gewährleisten. 

Das paralympische Klassifizierungssystem wird nach zehn Behinderungsarten eingeteilt, grundsätzlich gibt es Startklassen für Athlet*innen mit verschiedenen körperlichen und geistigen Behinderungen sowie mit Sehbehinderungen. Dies führt dazu, dass es im Sprint über 100 Meter nicht eine Siegerin und einen Sieger gibt, sondern bei den Paralympics in Rio 2016 insgesamt 30 Goldmedaillen in den jeweiligen Startklassen bejubelt wurden.

Weitere Besonderheiten des Sports von Menschen mit Behinderung sind verschiedene Hilfsmittel, die die Athlet*innen im Wettkampf unterstützen oder diesen erst ermöglichen. So gibt es individuell angepasste Arm- und Beinprothesen, spezielle Sport- und Rennrollstühle, steuernde Piloten auf dem Tandem, mit einem Seil verbundene, sehende Guides bei Laufwettbewerben oder einen Guide hinter dem Tor beim Blindenfußball, der den Spielern akustische Signale zur Orientierung gibt. Aufgrund der unterschiedlichen Voraussetzungen sind im Para Sport äußerst individuelle und auch kreative Herangehensweisen von Bedeutung, zudem herrscht teils eine sehr enge Bindung zu Guides und Betreuer*innen.

Der Blick zur Spitze: 
Unsere paralympischen Sportler*innen, faszinierende Stories und unglaubliche Leistungen – sei dabei:  
www.teamdeutschland-paralympics.de
            
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