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Seite 53 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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(Rollstuhl-) Tennis

       AUF EINEN BLICK
  - Das bisher längste Tennismatch dauerte über elf Stunden, das kürzeste nur 25 Minuten
- Wird im Einzel oder Doppel gespielt
- Rollstuhltennis ist die paralympische Variante mit
eigenem Regelwerk
- Beweglichkeit im Schlagarm und oberen Rücken notwendig
Geeignet für:
                               VEREINfacht
Was ihr braucht: Im Rollstuhltennis wird ein Sportroll- stuhl mit Kippschutz empfohlen, da dieser deutlich dyna- mischere und wendigere Fahrmanöver erlaubt. Für den Einstieg genügt allerdings ein Alltagsrollstuhl, wenn die- ser mit einem Kippschutz ausgestattet ist. Rollstuhltennis kann auf allen Plätzen gespielt werden, ohne dass dadurch Schäden am Platz verursacht werden. Blindentennis wird mit speziellen Bällen gespielt. Diese deutlich leichteren und etwas größeren Schaumstoffbälle sind gut hörbar, da sie mit rasselnden Metallstiften gefüllt sind. Mit dem Fuß fühlbare Linien dienen zusätzlich zur Orientierung und können mit einfachen Hilfsmitteln selbst hergestellt werden. So kann bspw. eine Schnur mit Klebeband auf der bereits vorhandenen Linie befestigt werden. Auf Teppich- boden eignet sich Klettband. Bei eingeschränkter Arm- funktion oder nicht ausreichender Griffkraft besteht die Möglichkeit, den Schläger mit Tape oder Klett am Arm zu befestigen. Auch können Anpassungen an Schlägern und Bällen vorgenommen werden.
    GUT ZU WISSEN
Tennis zählt zu den Rückschlagspielen und wird entweder im Einzel oder Doppel in Damen-, Her- ren- oder Mixed-Teams gespielt. Das rechteckige Spielfeld misst eine Gesamtlänge von 23,77 Me- ter und wird durch ein Netz in zwei Hälften unterteilt. Im Einzel ist das Spielfeld 8,23 Meter breit, im Doppel 10,97 Meter. Gespielt wird entweder in der Halle oder im Freien auf feinem Sand, Tep- pichboden, Kunststoffgranulat, Rasen, Kunstrasen oder Hartplatz. Im Tennis gibt es verschiedene Disziplinen für Menschen mit Behinderung. Die wohl bekannteste Variante ist Rollstuhltennis. Die einzige Modifikation dieser Variante im Vergleich zu den offiziellen Regeln des Weltverbandes (ITF) ist, dass der Ball zwei Mal aufspringen darf. Für Menschen mit einer zusätzlichen Einschränkung der oberen Extremitäten gibt es zudem die „Quad-Tennis“-Startklasse. Hierbei kann der Schläger mit Tape an der Hand befestigt werden. Eine weitere Disziplin ist das Blindentennis, bei der sich die Feld- und Schlägergröße sowie die Häufigkeit des Ballaufspringens nach dem Grad der Sehbeein- trächtigung richten. Weitere Kategorien bilden das Gehörlosentennis und Tennis für Menschen mit geistiger Behinderung. Beides wird nach offiziellem Regelwerk ohne Modifikationen gespielt. Zusätzlich dazu sind im Mannschaftspielbetrieb des Deutschen Tennis Bundes (DTB) auch inklusive Mannschaften zugelassen.
SO MACHT'S ALLEN SPAß
Eine gewisse Funktion im oberen Rücken und im Schulterbereich sollte vorhanden sein, um Spaß am Tennis zu haben. Bei Rollstuhltennisspieler*innen ist aufgrund der schnellen, dynamischen Bewegungen auf eine ausreichende Fixierung im Rollstuhl zu achten. Auch die Wahl des Unter- grunds spielt für diese Zielgruppe eine entscheidende Rolle. Je ebener und härter der Platz, desto einfacher ist die Fortbewegung. Auch für Menschen mit Amputationen der unteren Extremitäten
ist Rollstuhltennis eine optimale Sportart. Im Blindentennis spielt die taktile Vermittlung und effiziente Kommunikation eine entscheidende Rolle. So muss z. B. vor jedem Auf- schlag abgefragt werden, ob der Rückschläger bereit ist. Der Aspekt Kommu- nikation ist auch bei Sportler*innen im Gehörlosentennis – etwa durch Lippenlesen, Gebärden oder das Vereinbaren pragmatischer Zei- chen – essenziell. Kürzere Schläger, druckreduzierte Bälle und eine Verringerung der Spielfeldgröße können vor allem bei Trainingsanfänger*innen und bei Menschen mit geis- tiger Behinderung für Vereinfachung und weniger Komplexität sorgen. Vor allem bei dieser Zielgrup- pe kann ein Doppelpartner für die notwendige Unterstützung auf dem Feld sorgen, um den Spielfluss und damit auch den Spaß am Sport für alle aufrecht zu erhalten. Prinzipiell sind den Sportler*innen bei der Wahl der Dop- pelpartner*innen im Trainingsbetrieb keine Grenzen gesetzt. So sind auch Spiele im Dop- pel mit Rollstuhlsportler*innen und Fußgän-
ger*innen möglich.

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