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Seite 52 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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(Rollstuhl-) Tanzen

GUT ZU WISSEN
Tanzen beschreibt verschiedene Arten der rhythmischen Bewegung zur Musik. Es existieren zahlreiche verschiedene Disziplinen und Tanzstile, wie bspw. Stan- dard- und Lateintänze, Jazz-Dance sowie Show- und Stepptanz. Unterschieden werden alle Arten nach der Anzahl der Tänzer*innen in Einzel-, Paar- oder Gruppentänze – so auch der
Rollstuhltanz.
Beim Rollstuhltanzsport bewegen die Tänzer*innen
ihren Rollstuhl rhythmisch durch Anrollen, Abstoppen, Vor- und Rückwärtstanzen, durch unterschiedlich schnelle Dre- hungen und den Einsatz verschiedener Kopf-, Arm- und Schulter- bzw. Oberkörperrotationen. Ein Rollstuhltanzpaar kann sowohl aus Rollstuhlfah- rer*innen und Fußgänger*innen (Kombi-Tanzen) als auch aus zwei Rollstuhltänzer*in- nen bestehen (Duotanzen). Viele Bewegungsabläufe und Figuren basieren auf den Grundlagen des klas- sischen Tanzes oder moderner Tanzformen. Diese werden allerdings in einigen Punkten modifiziert und an die Bewegungen mit Rollstuhl angepasst. Neben dem Rollstuhltanzsport gibt es spezielle Angebote für sehbehinderte und blinde, schwerhörige und gehörlose Personen sowie für Menschen mit geistiger Be-
hinderung, Demenz und Parkinson.
SO MACHT'S ALLEN SPAß
Durch einfache Anpassungen der Tanzschritte und Choreografien an die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Sportler*innen kann mit nahezu jeder Art der Behinderung getanzt werden. Beim Rollstuhltanzsport bleibt bspw. die Grundtechnik mit ihrem jeweiligen Rhythmus erhalten. Dieser Rhythmus wird dabei hauptsäch- lich mit den Armen und dem Oberkörper umgesetzt, weshalb eine gute Beweglichkeit in diesem Bereich notwendig ist. Beim Kombi-Tanzen gibt es für die stehenden Tänzer*innen keine Veränderungen im Tanz- stil. Die Führung kann dabei sowohl von den Rollstuhlsportler*innen als auch von den Fußgänger*innen übernommen werden. Bei Trainingsanfänger*innen mit Rollstuhl ist es jedoch oftmals einfacher, wenn sie zunächst geführt werden.
Sehbehinderte und blinde Tänzer*innen können beim Paartanz entweder von sehenden Tanzpartner*in- nen geführt werden oder selbst die Führung übernehmen. Konstellationen aus zwei sehbehinderten oder blinden Sportler*innen sind ebenfalls möglich. Die Orientierung im Raum erfolgt dabei vor allem über den Schall der Musik. Auch schwerhörige und gehörlose Menschen finden Spaß am Tanzsport, wenn sie Musik sprichwörtlich fühlen können. Das gelingt vor allem durch Musik mit tiefen Frequenzen. Über die Schwingung des Bodens und des Körpers können die Sportler*innen den Rhythmus aufnehmen. Deshalb eignen sich vor allem Stilrichtungen mit tieffrequenter Musik, wie z. B. der Hip-Hop-Tanz. Bei Menschen mit geistiger Behinderung können unter anderem eine Verlangsamung des ursprünglichen Rhythmus sowie Anpassungen in der Choreografie für Erleichterung sorgen.

  AUF EINEN BLICK
  - Elegant, rhythmisch, gefühlvoll oder kreativ, wild und ausgelassen: Verschiedene Tanzstile zu jeder Art von Musik
- Einzel-, Paar- oder Gruppentänze mit oder ohne Rollstuhl
- Für Alt und Jung als Therapie, Breiten- oder Leistungssport – Tanzen für Alle
Geeignet für:
                               VEREINfacht
Was ihr braucht: Tanzen kann einfach inklusiv im Sportverein umgesetzt werden, da zunächst nichts weiter benötigt wird als die dem Tanzstil entsprechende Musik und eine ausreichend große Tanzfläche. Menschen mit Prothesen können pro- blemlos mit Alltagsprothese tanzen. Bei Rollstuhl- sportler*innen genügt zum Einstieg der Alltagsroll- stuhl den Anforderungen. Im Wettkampfbereich können auch spezielle, dynamischere Aktivrollstüh- le mit leicht angewinkelten Rädern und Sportberei- fung zum Einsatz kommen.
Das Tanzen mit Elektrorollstuhl ist ebenfalls mög- lich. Generell spielt im Tanzsport zusätzlich der Untergrund eine wichtige Rolle. Vor allem für Roll- stuhlsportler*innen bietet ein Parkett- oder Lami- natboden beste Voraussetzungen, aber auch ein fester Hallenboden ist geeignet.
     
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