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Seite 19 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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 Praxistipps: Fit für die Vielfalt
Schwerhörige und gehörlose Sportler*innen
Bei schwerhörigen und gehörlosen Menschen ist die Teilnahme an (inklusiven) Sportangeboten in aller Regel leicht umzusetzen. Besonders im Hinblick auf die Kommunikation sollten jedoch einige Aspekte berücksichtigt werden.
 - Hörhilfen - Da Hörhilfen beim Sport teilweise ausgeschaltet werden, ist ggf. bei schwer-
hörigen Menschen die Hörfähigkeit beim Sport weiter vermindert.
Rituale und strukturierte Abläufe
Rituale können den Einstieg in die Sporteinheit erleichtern. Zudem ist es wichtig, vor Ansagen immer für einen ruhigen Moment zu sorgen, damit keine Störgeräusche die Kommunikation beeinflussen.
Gebärdensprache
Bei kontinuierlichem Kontakt zu schwerhörigen und gehörlosen Sportler*innen ist es nützlich, das deutsche Fingeralphabet zu erlernen. Möglicherweise ist dies auch ein interessantes An- gebot für die gesamte Trainingsgruppe, da es die Kommunikation untereinander erleichtert und die Verbindung zueinander stärkt. Fachbegriffe lernt man häufig automatisch durch die Kommunikation.
Geduldig bleiben
Sollten schwerhörige und gehörlose Sportler*innen auch mehrmalige Erklärungsversuche nicht richtig
verstehen, ist Freundlichkeit und Geduld selbstverständlich. Spürt die schwer-
hörige oder gehörlose Person die Ungeduld, täuscht sie
aus Verunsicherung ggf.
vor, verstanden zu
haben. In diesen Fällen helfen alternative Kommunikati- onswege wie Aufschrei-
ben oder Aufmalen oftmals weiter.
- Mündliche Kommunikation
Deutliches, aber normales Sprechen möglichst auf Hochdeutsch erleichtert die Kommunikation. Lauteres oder langsameres Sprechen kann die Gesichts- züge und das Mundbild verzerren, was ein Ablesen von den Lippen erschwert. Zudem sollten kurze, einfache und klare Sätze verwendet und immer wieder kleine Pausen eingelegt werden. Wichtig ist es, sich immer wieder zu verge- wissern, ob alles richtig verstanden wurde.
- Gestik, Mimik, Körpersprache
Wird das Gesagte durch natürliche Gesten, Mimik und Körpersprache unter- stützt, verbessert es das Verstehen und ersetzt, was in der Lautsprache mit der Sprachmelodie vermittelt wird.
- Alternative Kommunikationsmöglichkeiten
Das Aufschreiben oder Zeichnen wichtiger Informationen oder Spielabläufe stellt eine einfache und effektive Alternative dar.
- Ansprache
Soll die Sporteinheit begonnen oder eine neue Übung erklärt werden, kann die Aufmerksamkeit bspw. über ein Winken oder eine leichte Berührung seit- lich oder von vorne an Arm oder Schulter gewonnen werden. Auch über ein Ein- und Ausschalten von Licht oder ein Aufstampfen mit dem Fuß kann die Aufmerksamkeit auf sich gezogen werden.
- Blickkontakt und die richtige Aufstellungsform
Es ist wichtig, bei der Kommunikation Blickkontakt mit der schwerhörigen oder gehörlosen Person zu halten und darauf zu achten, dass genügend Licht auf das Gesicht der Sprecher*innen fällt sowie der Mund nicht verdeckt ist. Bei mehreren schwerhörigen und gehörlosen Sportler*innen sollte allen der Blick auf das Gesicht möglich sein, z. B. durch eine Halbkreis-Aufstellung.

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