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Seite 20 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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Praxistipps: Fit für die Vielfalt
Sportler*innen mit geistiger Behinderung
Menschen mit geistiger Behinderung können in der Regel ohne große Anpassungen an (inklusiven) Trainingsgruppen teilnehmen. Lediglich über das Verhalten sollten manche Aspekte bekannt sein. Denn dieses kann von mehreren Faktoren geprägt sein: unerwartete Reaktionen, Unkenntnis von Regeln und Normen, Probleme bei Ironie und Abstrak- tion, Nichtverstehen von anscheinend Offensichtlichem, einem offenen und direkten Verhalten oder einem ausgeprägten Ausleben von Emotionen.
Ungewohnte und/oder unterschiedliche Verhaltensweisen lösen beiderseits Verunsicherungen aus. Übungsleiter*innen sollten daher darauf vorbereitet sein, dass zunächst Hemmschwellen ab- gebaut und Begegnungsmöglichkeiten geschaffen werden müssen. Unter welchen Voraussetzungen Inklusion funktionieren kann, zeigen die nachfolgenden Aspekte.
 - Leicht verständliche Vermittlung
Bei der Vermittlung der Inhalte müssen die Kriterien der Leichten Spra- che berücksichtigt werden. Fremdwörter sollten bspw. vermieden oder gut erklärt werden. Eine langsame und deutliche Sprechweise mit genü- gend Pausen hilft außerdem beim besseren Verständnis. Einen Ratgeber zu leichter Sprache gibt es unter: www.bit.ly/3jvVUfN.
- Übungsvermittlung durch Visualisierung
Bei der Vermittlung von Übungsaufgaben ist Geduld unbedingt notwen- dig, da es länger dauern kann, bis neue Aufgaben verstanden werden. Es kann oftmals auch sehr gut mit Visualisierungen, also Bildern, Symbolen und einfachen Veranschaulichungen, gearbeitet werden.
- Stetige Wiederholungen
Durch viele Wiederholungen werden Bewegungsabläufe routiniert und automatisiert. Dies ermöglicht den Sportler*innen nach und nach, auch komplexere Bewegungsabläufe zu erlernen.
- Routine und Gewohnheiten
Menschen mit geistiger Behinderung sind häufig an feste Gewohnheiten und Abläufe gebunden. Diese bieten Sicherheit und eine Grundlage für neue oder anspruchsvollere Aufgaben. Regelmäßig wiederkehrende Abläufe helfen daher auch beim Aufbau des Trainings, z. B. mit einem Eröffnungskreis, einem Start mit bekannten Aufgaben, einer Einführung neuer Aufgaben und schließlich einem Abschlusskreis.
- Unterstützung durch Trainingspartner*innen
Trainingspartner*innen können während des Trainings besonders unterstützen. Sie können sowohl bei der Erklärung als auch bei der Ausführung der Aufgaben Hilfestellung geben und so, angepasst an die individuellen Sportler*innen, auch ein Training in größeren Gruppen ermöglichen. Immer gleiche Trainingspartner*innen schaffen zudem Routine und sorgen für Sicherheit.
- Schritt für Schritt
Teilweise liegen niedrigere Frustrationsschwellen und damit verbunden ein größeres Aggressions- potential vor. Die Frustration über verschiedenste Aufgaben, die nicht erfüllt werden können, hängt meist damit zusammen, dass die Anforderungen zu hoch
gesetzt wurden. Dies wird von den Sportler*innen
manchmal aber nicht erkannt, sondern als
eigenes Versagen verstanden. Gerade
mit Blick auf Sportler*innen,
für die schon einfache
Bewegungen eine
Herausforderung
darstellen, sollte
daher in kleinen
Schritten vor-
angegangen
werden.
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