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Seite 39 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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Kegeln
       AUF EINEN BLICK
  - Grundstellung, Kugelhaltung, Schrittlänge, Hand- stellung beim Abwurf – die richtige Technik bringt den Erfolg
- Wird im Einzel, im Doppel oder in (gemischten) Teams gespielt
- Kann im Stehen oder mit Rollstuhl gespielt werden
- Eng verwandt mit der Sportart Bowling
Geeignet für:
                               VEREINfacht
Was ihr braucht: Bahnen und Equipment unterschei- den sich nicht vom klassischen Material. Voraussetzung ist jedoch, dass ein kontrollierter Armschwung durchge- führt werden kann. Sollte das nicht möglich sein, gibt es bspw. spezielle Kegelschienen, die vor allem bei Rollstuhl- fahrer*innen zum Einsatz kommen können. Damit lässt sich die Kugel durch spezifisches Ausrichten auch ohne Schwungbewegung mittig in die Bahn leiten. Diese Schie- nen werden mit der einen Seite auf den Schultern der Sportler*innen abgelegt und liegen mit der anderen Sei- te auf dem Boden. Für den Wettkampfbereich sind diese allerdings nicht zugelassen. Träger*innen von Prothesen können mit Alltagsprothese kegeln. Bei sehbehinderten Menschen wird häufig dünnes Krepp- oder Klebeband eingesetzt, das für Orientierung auf der Bahn sorgt. So kann bspw. der optimale Aufsetzpunkt der Kugel markiert werden. Es ist allerdings darauf zu achten, dass durch das Klebeband der Lauf der Kugel nicht beeinflusst wird und es sich wieder rückstandslos entfernen lässt.
   GUT ZU WISSEN
In der Präzisionssportart Kegeln geht es darum, mit einem kontrollierten Schwung eine Kugel ins Rollen zu bringen, um möglichst viele der insgesamt neun Kegel umzuwerfen. Diese sind am anderen Ende einer glatten Bahn in Form einer Raute aufgestellt. Abweichend von dieser Regel gibt es Varianten, bei denen es das Ziel ist, bestimmte Konstellationen von Kegeln, sogenannte Kegelbilder, zu werfen. Ge- kegelt wird einzeln, paarweise oder in (gemischten) Teams. In Deutschland wird unterteilt in die drei Bahnarten Classic-, Bohle- oder Scherenbahn, die sich sowohl durch ihre Beschaffenheit als auch durch ihre Form leicht voneinander unterscheiden. Die Kugel hat einen Standarddurchmesser von 160 Milli- metern und wiegt ungefähr 2,85 Kilogramm. Im Jugendbereich wird mit einer 140 Millimeter großen und 1,9 Kilogramm schweren Kugel gespielt. Außerhalb des Wettkampfsports können je nach Möglich- keiten und Vorlieben auch Kugeln mit anderen Größen und Gewichten verwendet werden.
Im Bereich des Sports von Menschen mit Behinderung finden auf Bohle- und Scherenbahnen Wett- kämpfe im nationalen Ligabetrieb bis zu den Deutschen Meisterschaften statt. Auf Classicbahnen gibt es darüber hinaus auch Europameisterschaften für sehbehinderte und blinde Sportler*innen.
SO MACHT'S ALLEN SPAß
Da im Sitzen oder Stehen gekegelt wird, finden mit nur wenigen Anpassungen alle Spaß am Sport. Um die Komplexität gerade für Trainingsanfänger*innen oder Menschen mit einer Gehbehinderung mit Blick auf die Wurfbewegung zu reduzieren, ist es möglich, den Wurf zu jeder Zeit ohne Anlauf auszu- führen. Als zusätzliche Unterstützung kann die Kegelschiene, je nach Beeinträchtigung des Rumpfes und der oberen Extremität, zum Einsatz kommen. Eine Möglichkeit gerade für sehbehinderte und blin- de Kegler*innen ist es, aus dem Stand zu starten und die Kugel breitbeinig mit einem Unterschwung
durch die Beine auf die Bahn zu schicken. Sehbehinderte und blinde Menschen sowie Rollstuhl- fahrer*innen benötigen ggf. Unterstützung beim Anreichen der Kugel. Dies geschieht ent- weder durch sogenannte Kugelzureicher*innen oder die Übungsleiter*innen. Die meisten Bahnen besitzen aufgrund ihrer Bauweise rechts und links des Auf- satzbereiches leichte, für den Laien kaum zu bemerkende Auskerbungen, die sehbehinderte und blinde Menschen bei der taktilen Orientierung und richtigen Positionierung unterstützen können. Zusätzlich dazu darf diese Zielgruppe zur besseren Positionierung (national) eine U-förmige dünne Schablone benutzen, auf der die Füße rechts und links der Bahn positioniert werden, wobei die Öffnung der Schablone nach vorne zur Bahn gerichtet ist. Anpassun- gen können auch im Regelwerk vorgenommen werden. So ist es bei den Bohle- und Scherenbahnen normalerweise üblich, in eine vorgeschriebene Gasse zu kegeln. Der damit verbundene Gassenzwang – ein Wurf in die falsche Gasse würde als Fehlwurf gewertet – entfällt bei Rollstuhlsport- ler*innen sowie bei sehbehinderten und blinden Men- schen, so dass immer auf alle neun Kegel gespielt wird. An- passungen im Regelwerk lassen sich ebenso bei Menschen
mit geistiger Behinderung umsetzen.

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