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Seite 35 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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Goalball
       AUF EINEN BLICK
  - Schon gehört? Ballsportart für sehbehinderte und blinde Sportler*innen mit Klingelball
- Bälle erreichen Geschwindigkeiten bis zu 80 km/h
- Pro Spiel: Bis zu 100 Torchancen auf beiden Seiten
- Chancengleichheit durch den Einsatz von Dunkelbrillen
Geeignet für:

GUT ZU WISSEN
Goalball ist ein inklusiver Mannschaftsport, der ursprünglich für sehbehinderte und blinde Menschen ent- wickelt wurde. Zwei Dreier-Teams spielen gegeneinander mit dem Ziel, einen Ball in das gegnerische Tor zu werfen, wobei die abwehrende Mannschaft versucht, dies unter Einsatz des gesamten Körpers, meist auf dem Boden rutschend, zu verhindern. Die Mannschaft mit den meisten Toren am Ende der zweimal zwölf- minütigen Spielzeit gewinnt. Um den unterschiedlichen Grad der Sehbehinderung der Sportler*innen auszugleichen und gleiche Bedingungen zu schaffen, müssen alle Teilnehmer*innen während des Spiels lichtundurchlässige Brillen tragen, sogenannte Dunkelbrillen. Die Spieler*innen verlassen sich so in allen Spielaktionen ausschließlich auf ihren Tast- und Hörsinn. Aus diesem Grund ist der 1,25 Kilogramm schwe- re Ball, der äußerlich einem Basketball ähnelt, mit Glöckchen gefüllt. Der Ball muss so geworfen werden, dass er mindestens zwei Mal aufsetzt, um gut hörbar zu sein. Das Spielfeld hat die gleichen Maße wie ein Volleyballfeld (18 Meter lang und neun Meter breit) und wird in drei verschiedene Zonen unterteilt: die Zone vor dem Tor des jeweiligen Teams sowie eine neutrale Zone mittig. Die beiden 1,30 Meter hohen Tore nehmen dabei die volle Breite des Spielfeldes ein. Zur besseren Orientierung auf dem Feld werden tast- bare Linien geklebt. Goalball wird ausschließlich in der Halle gespielt. Während des gesamten Spiels muss absolute Ruhe herrschen, damit der Ball und auch die Aktionen des Gegners hörbar sind.

SO MACHT'S ALLEN SPAß
Beim Goalball können Menschen mit und ohne Sehbehinderung durch den Einsatz von Dunkelbrillen unter gleichen Voraussetzungen am Spiel teilnehmen. Knie- und Ellenbogenschoner sowie gepolsterte Hosen und Westen sind ratsam. Als Ersatz für die Dunkelbrille können anfangs auch Schlafmasken oder
abgeklebte Skibrillen zum Einsatz kommen. Sehende und Menschen mit geringer Sehbehinderung be- nötigen anfangs einige Zeit, um sich an die neuen Bedingungen zu gewöhnen. Sinnvoll ist daher eine schrittweise Heranführung an die neuen Gegebenheiten, mit dem Ziel sich sicher blind zu bewegen. Dafür können Anhaltspunkte wie Wände, Türen, Tore oder Geräusche zur Orientierung im Raum genutzt und sportliche Fähigkeiten durch Übungen mit bspw. nur einem abgeklebten Auge geschult werden. Sehbehinderte und blinde Menschen können von Trainingspaten unterstützt werden, die auch beim Erler- nen der richtigen Abwehrhaltung Hilfestellung geben kön- nen. Wichtig ist, dass während des Trainingsbetriebs viel kommuniziert und korrigiert wird. Geeignet ist Goalball auch für Menschen mit Bewegungseinschränkung und Amputationen, da es sowohl im Sitzen, Liegen und auch im Stehen gespielt werden kann. Um das Spiel speziell für diese Zielgruppe, aber auch für Klein- wüchsige, Trainingsanfänger*innen und Menschen mit geistiger Behinderung zu erleichtern, kann die Größe des Spielfeldes oder der Tore angepasst wer- den. Weitere Möglichkeiten sind der Einsatz eines kleineren und leichteren Balls oder die Verkürzung der Spielzeit. Diese Maßnahmen bieten sich auch für
das Kinder- und Jugendtraining an.

VEREINfacht
Was ihr braucht: Goalball lässt sich mit nur weni- gen einfachen Hilfsmitteln in jedem Verein umsetzen. Unabdingbar ist die Anschaffung eines Goalballs oder für den Einstieg eines mit Glöckchen gefüllten, gut hörbaren Balls. Die ertastbaren Linien, die die einzel- nen Zonen voneinander abgrenzen, sind im Goalball unverzichtbar, um für die notwendige Orientierung auf dem Spielfeld zu sorgen. Anbringen lassen sich die Linien mit gängigem Klebeband und einem aus- reichend dicken Faden. Dieser wird mittig unter das Klebeband auf dem Boden fixiert. Wichtig ist, dass sich das Klebeband wieder rückstandslos entfernen lässt. Goalballtore gibt es zu kaufen, sie lassen sich aber auch einfach simulieren, indem man ertastbare Markierungen – vergleichbar mit den Spielfeldmar- kierungen – an den Hallenwänden mit den entspre- chenden Maßen anbringt. Eine weitere Torsimulation lässt sich mit einer zwischen zwei Stangen gespann- ten Schnur herstellen. Wer keine Stangen zur Hand hat, kann diese auch bspw. durch zwei mit einem Be- senstiel bestückte Pylonen ersetzen.


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