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Seite 32 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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(Rollstuhl-) Fechten

      AUF EINEN BLICK
  - Konzentration, Präzision, Kraft, Reaktion ent- scheidend
- Gefochten wird mit den drei Waffen Florett, Degen oder Säbel
- Individualsportart, die auch in Teamwettbewer- ben ausgeübt werden kann
- Rollstuhlfechten ist die paralympische Variante mit eigenem Regelwerk
Geeignet für:
                               VEREINfacht
Was ihr braucht: Für das Rollstuhlfechten wird zunächst die gängige Ausrüstung benötigt, bestehend aus Maske, Jacke, Unterziehweste, Hose, einem Handschuh und der jeweiligen Waffe. Für Trainingsneulinge ist es von Vorteil, wenn der Verein die Ausrüstung zu Beginn leihweise zur Verfügung stellt. Für den Einstieg ins Rollstuhlfechten ge- nügt zunächst ein Alltagsrollstuhl. Das Fechtgestell, in das die Rollstühle gespannt werden, besteht aus Schienen bzw. zwei Plattformen und bietet einen sicheren Stand während des Gefechts. Der Abstand und die Stellung der Sportler*innen zueinander kann über eine Abstandsstan- ge je nach Armlänge und Waffe individuell angepasst wer- den.
Neu ist das Fechten für sehbehinderte und blinde Men- schen. Um gleiche Voraussetzungen zu schaffen, müssen sich alle Sportler*innen, vor allem Vollsehende und Men- schen mit Restsehstärke, die Augen verbinden. Hierzu genügen Schlafmasken oder lichtundurchlässige Hauben, die beim Gefecht nicht verrutschen können.
   GUT ZU WISSEN
Fechten ist eine Zweikampfsportart,
die im Einzel- oder Mannschafts- wettkampf ausgetragen wird. Dabei kann zwischen drei verschiedenen Waffen gewählt werden, die sich hin- sichtlich Aussehen, Gewicht, Regelwerk und Trefferfläche voneinander unterscheiden: Flo- rett, Degen und Säbel. Ziel beim Fechten ist, dem Gegner möglichst viele gültige Treffer zuzufügen und zeitgleich dessen Angriffen auszuweichen und abzuweh- ren. Beim Degenfechten gilt der gesamte Körper als Trefferfläche, beim Florettfechten der Rumpf und beim Säbelfechten der gesamte Kör-
per oberhalb der Hüften.
Für Menschen, die nicht im Stehen fechten können oder wollen, gibt es die Möglichkeit des Rollstuhl- fechtens. Individuelle Anpassungen am Rollstuhl, wie bspw. eine höhere Rückenlehne oder zusätz- liche Haltegurte, können für mehr Stabilität sorgen. Im Wettkampfbereich bietet ein stabiler Fecht- rollstuhl beste Voraussetzungen. Da Fechten ein sehr dynamischer Sport ist, werden die Rollstühle in ein Gestell eingespannt, um ein Umkippen zu vermeiden. Gefochten wird mit der Waffe in einer Hand, während sich die andere Hand zur Unterstützung am Rollstuhl befindet. Die Bewegung erfolgt dann aus dem Oberkörper, um den Abstand zum*zur Gegner*in zu verkürzen oder zu erweitern. Ent- sprechend gilt beim Rollstuhlfechten nur der Oberkörper als Trefffläche – im Florett nur der Rumpf und im Säbel und Degen Rumpf mit Armen und Kopf.
SO MACHT'S ALLEN SPAß
Da Fechten sowohl im Sitzen als auch im Stehen ausgeübt werden kann, finden alle Spaß an der Sportart. Rollstuhlfechten ist dabei nicht nur für Rollstuhlfahrer*innen geeignet. Fußgänger*innen müssen sich lediglich zur Schaffung identischer Wettkampfbedingungen für das Gefecht in den Rollstuhl setzen. Der Rollstuhl ist hier, neben der Waffe, der Maske und der Kleidung, ein weiteres Sport- gerät. Besonders eignet sich Rollstuhlfechten für Sportler*innen mit einer Querschnittslähmung sowie mit Amputation oder Bewegungseinschränkungen im Bereich der unteren und oberen Extre- mitäten. Eine gute Beweglichkeit im Bereich der Arme ist jedoch in jedem Fall wichtig. Während des Kampfes werden keine Prothesen oder Orthesen getragen, sofern diese nicht medizinisch notwendig sind. Für Sportler*innen, die die Waffe nicht aus eigener Kraft halten
können, besteht die Möglichkeit, diese am Arm zu fixieren. Zusätzlich dazu können die Sportler*innen zwischen zwei verschiedenen Griffar- ten wählen (Pistolengriff und französischer Griff). Sehbehinderte und blinde Sportler*innen fechten nach Gehör. Dabei versuchen die Sport- ler*innen über die Waffenklinge die Stellung des*der Gegner*in zu er- tasten und zu hören. Auf dem Boden der Fechtbahn kann zudem zur Orientierung mit ausreichend dickem Faden und Klebeband ein Kreis präpariert werden, der sich mit dem Fuß ertasten lässt.

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