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Seite 28 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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Bogensport
      GUT ZU WISSEN
Im Bogensport wird mit Pfeil und Bogen auf eine im Durchmesser 12- bzw.
80 Zentimeter große Ziel- scheibe geschossen, welche in verschiedenfarbige Ringe unterteilt ist. Die Ringwertung der Zielauflage sinkt dabei von zehn Punkten in der Mitte bis hin zu einem Punkt am äußeren Rand. Ziel ist es, durch das Treffen hoher Ringwertungen möglichst viele Gesamtpunkte zu erreichen. Da es sich um eine Präzisionssportart handelt, kommt gleichen Bewegungsab-
läufen und Positionierungen eine besondere Bedeutung zu.
Man unterscheidet in der Regel zwischen den beiden Bogenarten Compound und Recurve. Mit dem olympischen und paralympischen Recurve-Bogen schießen Sportler*innen mit Pfeilen auf eine 70 Meter entfernte Scheibe, beim Compound-Bogen, der bei den Paralympics zugelas- sen ist, beträgt die Entfernung 50 Meter. Die Sportart wird sowohl im Freien ausgeübt als auch in der Halle, dann auf einer kürzeren Distanz von 18 Metern und mit einer kleineren Zielauflage. Bogensport kann abhängig von der Art der Behinderung sowohl im Stehen als auch im Sitzen ausgeübt werden. Da- durch können sich Menschen mit und ohne Behinderung ohne Regeländerungen miteinander messen. Bogenschießen war die einzige Sportart bei den erstmals im Jahr 1948 ausgetragenen „Stoke Mandevil-
le Games“, dem Vorläufer der Paralympics.
SO MACHT'S ALLEN SPAß
Bogensport eignet sich ideal als inklusive Sportart, da je nach Art der Behinderung Anpassungen vorgenommen werden können. Über die Entfernung und Größe der Zielscheibe lässt sich der Schwie- rigkeitsgrad verändern. Kürzere Distanzen und größere Scheiben erleichtern gerade Anfänger*innen und Menschen mit einer geistigen Behinderung den Einstieg in die Sportart. Aufgrund des Einsatzes von Pfeilen muss sehr genau darauf geachtet werden, dass eine Selbst- oder Fremdgefährdung aus- geschlossen ist. Für alle Bogensportler*innen spielt die optimale Ausrichtung eine entscheidende Rolle. Eine entsprechende Markierung auf dem Boden oder vorgefertigte Schienen ermöglichen eine schnellere, zielgerichtete Positionierung. Sehbehinderte und blinde Schütz*innen nutzen eine spe- zielle Vorrichtung, die ihnen bei ihrer eigenen und bei der Ausrichtung des Bogens hilft. Über ein Stativsystem, an dem eine Platte mit einem kleinen Stab zur Orientierung der Hand befestigt wird, können die Athlet*innen den gestreckten Arm und damit den Bogen ausrichten. Ein wichtiges Merk- mal des Bogensports ist es, sich durch Ruhe, Konzentration und kontinuierliches Üben einen individu- ell beständigen Schussablauf anzueignen. Insbesondere bei sehbehinderten und blinden Menschen spielt dieser Aspekt im Training eine bedeutende Rolle und sollte deshalb verstärkt und mit akusti- scher Korrektur trainiert werden.
  AUF EINEN BLICK
 - Schlüssel zum Erfolg: Ruhe, Konzentration und kontinuierliches Üben
- Individualsportart, die auch in Teamwettbewerben ausgeübt werden kann
- Para Bogensport war die einzige Sportart bei den „Stoke Mandeville Games“, die als Ursprung der Paralympics gelten
Geeignet für:
                               VEREINfacht
Was ihr braucht: Bogensport kann mit wenigen Hilfsmit- teln inklusiv im Verein umgesetzt werden. Rollstuhlfah- rer*innen schießen mit gängigem Equipment. Allerdings ist darauf zu achten, dass beim Einsammeln der Pfeile ge- gebenenfalls Unterstützung benötigt wird oder, dass das Gelände auf dem Weg zur Zielscheibe mit dem Rollstuhl befahrbar ist. Menschen, die aufgrund von Einschränkun- gen der unteren Extremitäten Schwierigkeiten beim Ste- hen haben, können Hocker oder Stehhilfen verwenden. Für Menschen mit Amputationen oder Einschränkungen der oberen Extremitäten gibt es spezielle Auslösemecha- nismen, die mit dem Kinn bedient werden können. Alter- nativ kann die Sehne mit den Zähnen gespannt werden. Sehbehinderte und blinde Schütz*innen richten den Bo- gen mittels eines Stativsystems aus. Meist kommen hier gewöhnliche Foto- oder Videostative zum Einsatz, da es Spezialanfertigungen bislang nicht im Handel gibt. Die erstmalige Ausrichtung und ggf. auch das Einsammeln der Pfeile erfolgen mit Hilfe einer weiteren Person.

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