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Seite 30 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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(Rollstuhl-) Curling

      GUT ZU WISSEN
Curling ist eine Präzisions- sportart, die auf speziell präparierten Eisflächen ge- spielt wird. Ziel des Spiels
ist es, acht Granitsteine nä- her am Mittelpunkt (dem so- genannten Dolly) des Zielkrei- ses (Haus) zu platzieren als der Gegner. Gespielt wird dabei in zehn Runden mit jeweils vier Spieler*innen pro Mannschaft auf einer 45,7 Meter lan- gen und fünf Meter breiten Eisbahn. Während ein Stein gesetzt wird, haben die Mitspieler*innen die Aufgabe, durch das Wischen der Eisfläche mit Hilfe eines speziellen Besens den Lauf des Steins zu beeinflussen. Zum einen wird dadurch die Drehbewegung des Steins minimiert, zum anderen wird die Eisoberfläche durch die Reibung erwärmt und das Eis taut an. Dadurch wird der Reibungswi-
derstand geringer und der Stein kann weiter und gezielter gleiten.
Eine Variante des Curlings ist das paralympische Rollstuhlcurling. Gespielt wird auch hier, mit wenigen Anpassungen, nach den Regeln der World Curling Federation. Größter Unterschied zum klassischen Curling ist, dass auf der Bahn nicht gewischt werden darf. Das bedeutet, dass die Steinabgabe noch präziser erfolgen muss, da der Lauf des Steins nach der Abgabe nicht mehr beeinflusst werden kann. Im Rollstuhlcurling treten die Spieler*innen mit gemischten Teams in insgesamt acht Runden gegen- einander an.
SO MACHT'S ALLEN SPAß
Curling kann durch wenige Anpassungen inklusiv und bis ins hohe Alter ausgeübt werden. So lassen sich z. B. die akustischen Kommandos zum Wischen für gehörlose Menschen durch visuelle Kom- mandos ersetzen. Hier können bspw. unterschiedlich farbige Handschuhe zum Einsatz kommen, die für die beiden Kommandos „wischen“ oder „nicht wischen“ stehen.
Gerade bei Trainingsanfänger*innen sowie im Kinder- und Jugendbe- reich sorgen Variationen in der Bahnlänge und dem Gewicht der Cur- lingsteine für Vereinfachung. Rollstuhlcurling ist vor allem für Men- schen mit eingeschränkter Mobilität die optimale Alternative zum klassischen Curling. Der verwendete Extender sorgt für eine bessere Kraftentfaltung, außerdem ermöglicht er auch Menschen mit gerin- gerer Oberkörpermobilität die Ausführung eines präzisen Stoßes. Um für mehr Stabilität und eine exakte Steinabgabe auf der glatten Eisfläche zu sorgen, ist die Sicherung des Rollstuhls durch ein Team- mitglied erlaubt.
  AUF EINEN BLICK
  - Schach auf dem Eis
- Mannschaftssportart
- Beweglichkeit im oberen Rücken und Schulterbe- reich sowie ausreichend Griffkraft erforderlich
- Rollstuhlcurling ist die paralympische Variante mit eigenem Regelwerk
Geeignet für:
                               VEREINfacht
Was ihr braucht: Für den inklusiven Trainings- und Wettkampfbetrieb werden lediglich die klassischen Trai- ningsmaterialien benötigt. Auch Rollstuhlcurling lässt sich leicht in Vereinen mit bereits bestehendem Curling-Ange- bot umsetzen, wobei darauf zu achten ist, dass die Eis- fläche mit dem Rollstuhl befahrbar ist. Spezielle Sportroll- stühle sind nicht notwendig.
Wichtigster Unterschied zum klassischen Curling ist der sogenannte „Extender“, der zur Abgabe der Steine ver- wendet werden kann. Die Verwendung eines Exten- ders ist freiwillig, wird allerdings aufgrund der deutlich präziseren Steinabgabe empfohlen. Dieser besteht aus einem langen Stab und einem Gelenkkopf, mit dessen Hilfe die Richtung der Steine gesteuert werden kann. Extender gibt es im Fachhandel für Curlingbedarf zu kau- fen, wobei besonders auf den Extenderkopf nicht verzich- tet werden kann. Der Stab kann für den Einstieg bspw. auch durch ein stabiles Aluminium- oder Carbonrohr er- setzt werden.


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