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Seite 37 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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Kanu
       AUF EINEN BLICK
  - Entspannte Kanuwanderung, actionreiche Wildwas- serfahrten oder spannende Wettkämpfe
- „Vorwärtsfahrer“
- Einer-, Zweier-, Vierer- oder Achter-Boote: Mit Kajak
oder Kanadier ans Ziel
- Beweglichkeit im oberen Rücken und im Schulterbe- reich erforderlich
Geeignet für:
                               VEREINfacht
Was ihr braucht: Für den Trainingseinstieg bieten sich handelsübliche Boote mit hoher Kippstabilität an. Um eine zusätzliche Stabilität zu erreichen, können zudem seitliche Ausleger montiert und bei Bedarf wieder entfernt werden. Bei Menschen mit einer Querschnittslähmung oder einge- schränkter Oberkörpermobilität ist auf eine erhöhte Seiten- und Rückenstabilität zu achten. Diese kann über sogenanntes Fittingmaterial, z. B. Füllschaum, den es im Kanufachhandel zu kaufen gibt, oder über spezielle Sitzpositionierungsscha- len erreicht werden. Solche Sitzschalen sorgen nicht nur für Stabilität, sondern auch für eine optimale Kraftübertra- gung auf das Paddel und bestmögliche Druckverteilung. Ein Stemmbrett zum Abstellen der Füße sorgt für zusätzlichen Halt. Aus Sicherheitsgründen werden Schwimmwesten ge- tragen. Dabei ist darauf zu achten, dass durch die Schwimm- westen die Bewegungsfähigkeit möglichst wenig beein- trächtigt wird. Der Einstieg ins Boot findet nach Möglichkeit entweder über einen Steg im Wasser oder an Land statt. In diesem Fall kann das Boot bspw. über Rollen ins Wasser ge- lassen werden, abhängig von der Beschaffenheit des Ufers.
    GUT ZU WISSEN
Kanu ist ein Oberbegriff für Wassersportgeräte, die aus eigener Muskelkraft mit Paddeln und Blick voraus fortbewegt werden. Im Gegensatz zum Rudern – hier sitzen die Sportler*innen entgegen der Fahrtrichtung – besteht keine feste Verbindung zwischen Paddel und Boot. Der Oberbegriff Kanu gliedert sich in zwei Bootstypen: Kajak und Kanadier. Beide unterscheiden sich vor allem in ihrer Ausführung und anhand der Paddel voneinander. Aufgrund der besonde- ren Bauweise wird im Kajak sitzend gepaddelt, unter Verwendung eines Doppelpaddels. Dem- gegenüber bewegt man sich im Kanadier sitzend oder kniend mit einem Stechpaddel fort. Im Gegensatz zum Kajak, das nur im Einer, Zweier oder Vierer gefahren wird, werden Kanadier für bis zu acht Personen gebaut. Eine weitere Form des Kanus ist das Drachenboot, in dem 16 bis 20 Sportler*innen gleichzeitig Platz finden.
Bei den Paralympics werden derzeit Wettkämpfe in zwei Bootsklassen – dem Einzelkajak und im Auslegerkanu Va’a, dem Kanadier der Para Kanut*innen – nach angepassten Regeln in fes- ten Bahnen über eine Distanz von 200 Meter ausgetragen. Ergänzend zu den klassischen wett- kampfsportlichen Disziplinen haben sich außerdem zahlreiche Freizeitsportdisziplinen wie das Kanuwandern oder das Drachenbootfahren entwickelt.
SO MACHT'S ALLEN SPAß
Mit wenigen Anpassungen findet nahezu jeder Spaß am Kanusport oder dem Kanufahren als Freizeitbeschäftigung. Gerade für den Einstieg in die Sportart oder zur besonderen Unterstüt- zung empfiehlt sich der Start im Zweier mit einer weiteren erfahrenen Person. Diese Kon- stellation ermöglicht auch sehbehinderten und blinden Sportler*innen den Zugang zur Sportart. Für Sportler*innen mit verminderter Griffkraft gibt es spezielle Handschuhe oder Stulpen, die beim Greifen der Paddel unterstützen. Für Rollstuhlsportler*innen ist es wichtig, dass die Uferzone rollstuhlgerecht und gut befestigt ist. Durch Einstiegshilfen, wie bspw. Transfertischen, wird Menschen mit Einschränkungen der unteren Extremi- täten der Einstieg ins Boot erleichtert. Gerade bei dieser Zielgruppe muss bereits während des Einstiegs auf eine stabile Sitzposition im Boot geachtet werden. Zudem ist es wichtig, dass die Kraft des Pad- delschlags aus dem Oberkörper vollständig umgesetzt werden kann. Um die typische Paddel- bewegung ausführen zu können, benötigen Kanut*innen ausrei- chend Beweglichkeit im Schulter-
bereich.


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