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Seite 41 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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Leichtathletik
       AUF EINEN BLICK
  - Schneller, höher, weiter durch Technik, Kraft und Koordination
- Durch die Vielfalt des Laufens, Springens und Werfens vor allem im Schulsport und beim Erwerb des Deutschen Sportabzeichens weit verbreitet
- Je nach Behinderungsart sind Sportprothesen, Rennrollstühle oder Wurfstühle erforderlich
Geeignet für:
                               VEREINfacht
Was ihr braucht: Für alle Wurfdisziplinen, die im Sitzen ausgeübt werden, gibt es eigens entwickelte Wurfstühle mit speziellen Fixierungen. Diese können in bestehenden Anlagen integriert werden. Für den Einstieg in die Sportart genügt ein Alltagsrollstuhl, so- fern dieser und die Sportler*innen selbst ausreichend fixiert werden können. Bei leichten Bewegungsein- schränkungen können Hocker genutzt werden. Sport- ler*innen mit Prothese benötigen vor allem in den Lauf- und Sprungdisziplinen Sportprothesen, die an die Bedürfnisse der Sportler*innen und an die An- forderungen der jeweiligen Disziplin angepasst wer- den sollten. Zusätzlich dazu können auch Orthesen oder klassische Starthilfen (Startblöcke) zum Einsatz kommen. In den Schnellfahrdisziplinen werden drei- rädrige Rennrollstühle eingesetzt, die sich durch ihre leichte und dynamische Bauweise auszeichnen. Die- se Rennrollstühle und auch Race Bikes ermöglichen Menschen mit Zerebralparese, bestimmten Amputati- onen oder einer Lähmung die Teilnahme an Lauf- und Sprintwettbewerben.
    GUT ZU WISSEN
Die Sportart Leichtathletik umfasst mehrere Individualdisziplinen und Mannschaftswettbewerbe aus den Bereichen Laufen, Springen (Track Events) und Werfen (Field Events). Durch die Vielfalt an Disziplinen, von denen einige sowohl stehend als auch sitzend ausgeübt werden können, bietet die Leichtathletik auch für Menschen mit Behinderung zahlreiche Möglichkeiten.
Im Wettkampfbetrieb gibt es zusätzlich zum Regelwerk des internationalen Leichtathletikverbandes Modi- fizierungen, welche die Richtlinien zu Hilfsmitteln, Prothesennutzung und Anpassungen von Sportgeräten und Sportanlagen sowie weitere Adaptationen zur Umsetzung der Para Leichtathletik umfassen. In der Para Leichtathletik sind nicht alle Teildisziplinen des olympischen Sports vertreten. Bspw. finden keine Gehwettbewerbe, Hürden- und Hindernisläufe sowie kein Stabhochsprung, Mehrkampf und Hammerwurf statt. Anstelle des Hammerwurfs tritt der Keulenwurf. Zusätzlich dazu wird das paralympische Sportan- gebot durch die Disziplin Race Running (RR) erweitert, die sich an Menschen mit zerebralen Bewegungs- störungen und eingeschränktem Gleichgewichtssinn richtet.
SO MACHT'S ALLEN SPAß
Durch die zahlreichen Disziplinen und unterschiedlichen Anpassungsmöglichkeiten lässt sich Leichtathle- tiktraining auch in heterogenen Gruppen gut umsetzen, so dass alle Spaß am Sport finden. So können die Wurf- und Laufdisziplinen bspw. im Stehen oder Sitzen ausgeübt werden und sind deshalb auch für Men- schen mit eingeschränkter Beweglichkeit im Bereich der unteren Extremitäten geeignet. Für die Wurfdis- ziplinen sollte eine gute Funktion im Schulterbereich und oberen Rücken vorhanden sein. Sportler*innen mit Amputationen finden an nahezu allen Disziplinen Spaß, wobei je nach Anforderung spezielle Sport- prothesen für die unteren Extremitäten notwendig sind. Sehbehinderte und blinde Sportler*innen starten
in den Laufdisziplinen mit einem Guide, mit dem sie über ein elastisches Band am Handgelenk jeder- zeit in Verbindung stehen. Dabei darf der Guide die Sportler*innen weder ziehen noch schie- ben. Bei den Sprung- und Wurfdisziplinen gibt es sogenannte „Caller“, die über Zuruf als akustische Orientierungshilfe agieren und zusätzlich Anweisungen geben können (z. B. Signal zum korrekten Absprung). Die Guides sorgen auch im Trainings- alltag für Unterstützung im Bewegungs- und Techniklernen und können so bspw. auch bei Menschen mit geistiger Behinderung unterstützen. Diese sind vor allem im Trainingsbetrieb auf besondere Unterstützung an- gewiesen. Während der Wettkämpfe ist für Menschen mit geistiger Behinderung allerdings keine Hilfe von außen zugelassen, weshalb bereits im Training ein gutes Wettkampfmanagement eingeübt
werden sollte.
Für schwerhörige und gehörlose Personen sowie Menschen mit
geistiger Behinderung gibt es nahezu keine Einschränkungen bei der Wahl der Disziplinen. Kleinwüchsige finden vor allem Spaß an den Technikdisziplinen. Spezifische Anpassungen kön- nen in allen Disziplinen vorgenommen werden. Beim Weit-
sprung ist bspw. neben dem gewöhnlichen Absprung mit Anlauf auch ein Absprung aus dem Stand oder mit einer Gehhilfe sowie der Absprung aus einer Zone möglich, die mehr Spielraum bietet
als das Sprungbrett.

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