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Seite 44 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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Rudern

      GUT ZU WISSEN
Rudern ist ein traditionsrei- cher Wassersport, bei dem es besonders auf Kraft, Ausdauer und Dynamik an-
kommt. Anders als bspw. beim Kanu wird beim Rudern
rückwärtsgefahren.
Abhängig von der Anzahl der ru-
dernden Personen gibt es verschie- dene Bootsklassen: Einer, Zweier, Vie- rer und Achter. Gerudert werden kann mit oder ohne Steuermann bzw. Steuerfrau. Dar- über hinaus variieren die Bootsklassen je nach An- zahl der eingesetzten Ruder. Unterschieden wird dabei zwischen Skullen – die Sportler*innen haben in jeder Hand ein Ruder – und Riemen, wobei mit beiden Händen ein größeres Ruder geführt wird. Die Ruderbewegung ist eine fast völlig geführte Bewegung, die durch die Dollen (Verbindung zwischen Ruder und Boot), die Rollbahn und die Ruder vorgegeben wird. Die Sportler*innen haben die Füße in ein Stemmbrett gestellt und sitzen auf einem Rollsitz, der mit der Bewegungsausführung auf einem Schienensystem gleitet. Rudern bietet für Menschen mit verschiedenen Behinderungen zahlreiche Möglichkeiten. Die Einteilung in die unterschiedlichen Bootsklassen erfolgt analog zum
klassischen Rudern, allerdings wird im Wettkampfsport auf den Start im Achter verzichtet.
SO MACHT'S ALLEN SPAß
Je nach Art der Behinderung gibt es verschiedene technische Hilfen zur Fortbewegung mit dem Ru- derboot, durch die alle Spaß am Sport finden. Dafür sollte ausreichend Mobilität im Bereich des obe- ren Rückens, der Arme und der Schultern vorhanden sein. Bei fehlender Stabilität können Festsitze und Gurte helfen. Sowohl für sehbehinderte und blinde Sportler*innen als auch für Menschen mit geistiger Behinderung sind Mehrpersonen-Boote ratsam. Um für einen optimalen Vortrieb zu sorgen, kann es notwendig sein, die Länge der Ruder an die individuellen Bedürfnisse und Fähigkeiten der Sportler*innen anzupassen.
Speziell für Menschen mit Arm-Amputation gibt es Prothesen, die das Greifen der Ruder ermögli- chen. Nachteil: Das Abdrehen der Ruderblätter ist damit meist nicht möglich. Um Trainingsneulingen anfängliche Unsicherheiten zu nehmen, kann für das Erlernen der richtigen Technik zunächst auch ein Ergometertraining an Land stattfinden.
Das Tragen von Rettungswesten ist grundsätzlich sinnvoll, allerdings nicht allen Sportler*innen unein- geschränkt zu empfehlen. Gerade Rollstuhlsportler*innen sollten sich dazu vorab mit Expert*innen beraten oder sich an den Deutschen Ruderverband wenden.
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  AUF EINEN BLICK
  - Wassersport, der Kraft, Ausdauer sowie Teamgeist und Dynamik verbindet
- „Rückwärtsfahrer“
- Einer-, Zweier-, Vierer- oder Achter-Boote mit oder
ohne Steuermann/Steuerfrau
- Beweglichkeit im oberen Rücken und im Schulter- bereich erforderlich
Geeignet für:
                               VEREINfacht
Was ihr braucht: Um Menschen mit Behinderung den Rudersport zu ermöglichen, bedarf es in einigen Fällen der Anpassung des Materials. Gerade mit Blick auf Einer- und Zweierboote gibt es spezifische bauliche Veränderun- gen, die teils auch serienmäßig produziert werden. Ein fester, hoher Sitz sorgt vor allem bei Menschen mit Quer- schnittslähmungen ebenso für mehr Oberkörperstabilität wie eine feste Sitzschale. Bei Menschen mit Bewegungs- einschränkungen der unteren Extremitäten und Amputa- tionen können Orthesen und Sportprothesen zum Einsatz kommen und für mehr Halt und Sicherheit sorgen. Dazu können weitere Optimierungen an den Booten vorge- nommen werden: Dollenhöhe und Skulllänge lassen sich an die Bedürfnisse der Sportler*innen anpassen.
Für bessere Stabilität und Kippsicherheit können zusätz- lich seitliche Auftriebskörper (Schwimmer oder Pon- toons) am Ausleger des Bootes sorgen, die sich einfach montieren und wieder abnehmen lassen. Je nach Art der Einschränkung sind Einstiegshilfen notwendig.
      

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