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Seite 38 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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Karate
      GUT ZU WISSEN
Karate entstand Anfang des 20. Jahrhunderts in Japan und entwickelte sich aus einer traditionel- len asiatischen Kampfkunst. Bestandteil des Kampfsports sind verschiedene Schlag-, Stoß-, Tritt- und Blocktechniken sowie Fußfegetechniken, die zu- sätzlich der Selbstverteidigung die- nen. Im Karate werden grundsätzlich zwei Wettkampfdisziplinen unterschieden: „Kumite“ und „Kata“. Die Disziplin „Kata“ ist eine Abfolge genau festgelegter Angriffs- und Abwehr- techniken, die ohne Gegner*innen durchgeführt werden. Bewertet werden diese nach technischer Ausführung, Atmung, Ausdruck und Dynamik. Beim „Kumite“ stehen sich zwei Karateka auf einer Kampffläche gegenüber und versuchen im Freikampf wertbare Stoß-, Schlag- und Tritttechniken umzusetzen. Verletzungen der Kampfpartner*innen sind entsprechend der Krite-
rien in aller Regel ausgeschlossen.
Im Karate gibt es ein Graduierungssystem, in dem das technische Können geprüft und mittels verschiedenfarbiger Gürtel eingestuft wird. Da Karate sowohl stehend als auch sitzend ausge- übt werden kann, bietet die Sportart auch für Menschen mit Behinderung viele Möglichkeiten. So hat sich bspw. in der Disziplin Rollstuhlkarate ein eigenes Regelwerk und Wettkampfsystem entwickelt. Für sehbehinderte und blinde Sportler*innen sowie Sportler*innen mit geistiger Be- hinderung gilt das klassische Regelwerk. Im Wettkampfbereich des Behindertensports wird hier jedoch auf den Freikampf verzichtet.
SO MACHT'S ALLEN SPAß
Die individuellen Anpassungen der Karate-Techniken an die Bedürfnisse der einzelnen Sport- ler*innen sorgen dafür, dass alle schnell Spaß an der Sportart finden. Sollten einzelne Techni- ken nicht ausgeführt werden können, treten an diese Stelle Ersatztechniken. Im Rollstuhlkarate werden bspw. die Fußtechniken durch Armtechniken ersetzt. Wichtig ist jedoch, dass entweder der Einsatz der oberen oder der unteren Extremitäten möglich ist.
Um für Chancengleichheit im Wettkampf zu sorgen, werden je nach Beeinträchtigung Zusatzpunk- te vergeben. So erhalten z. B. blinde Sportler*innen mehr Zusatzpunkte als Sportler*innen mit Sehbehinderung. Zum Erlernen der richtigen Technik und zur Orientierung im Raum eignen sich für diese Zielgruppe feste, aufeinander eingespielte Trainingspartner*innen als Unterstützung. Zusätzlich dazu können die Trainer*innen durch taktile Hilfestellung das Techniklernen unterstützen.

  AUF EINEN BLICK
  - Bestandteil des Kampfsports sind Schlag-, Stoß-, Tritt-, Block- sowie Fußfegetechniken
- Wörtlich übersetzt bedeutet Karate „leere Hand“
- Zwei Wettkampfdisziplinen: „Kata“ (Technik) und
„Kumite“ (Zweikampf)
- Rollstuhlkarate mit eigenem Regelwerk
Geeignet für:
                               VEREINfacht
Was ihr braucht: Das inklusive Karatetraining wird mit gängigem Equipment durchgeführt. Alle Karateka benöti- gen zunächst einen Karate-Anzug (Karate-Gi), bestehend aus Hose und Jacke, die an der Hüfte durch den Graduie- rungsgürtel gehalten wird. Weitere Schutzausrüstung wie Protektoren oder Mundschutz sind nicht notwendig.
Beim Rollstuhlkarate kommen auf Wettkampfebene zum Teil spezielle, dynamischere Sportrollstühle zum Einsatz, für den Einstieg in die Sportart ist ein Alltagsrollstuhl aus- reichend.
Das Tragen von Prothesen ist bei der Demonstration der „Kata“ erlaubt, Sportprothesen sind dafür nicht zwingend erforderlich. Auch die Wahl des richtigen Untergrunds spielt beim Karatetraining eine wichtige Rolle. Für den klassischen Freikampf sind Matten empfehlenswert, da sie beim Einsatz von Wurftechniken vor Verletzungen schützen. „Kata“ wird meist auf dem Hallenboden gezeigt, so dass auch für Rollstuhlsportler*innen eine optimale Fortbewe- gung garantiert ist.
 
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