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Seite 45 - Teilhabe VEREINfacht | So gelingt der Sport für Alle
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(Rollstuhl-) Rugby

       AUF EINEN BLICK
  - Respekt und Fairplay: Gentlemen-Sport trotz körperbetontem Spiel
- Ball darf nur nach hinten geworfen werden, nicht nach vorne
- Rollstuhlrugby ist die paralympische Variante mit eigenem Regelwerk
- Beweglichkeit im oberen Rücken und im Schulterbereich erforderlich
- Spezielle Sportrollstühle im Rollstuhlrugby notwendig
Geeignet für:
                               VEREINfacht
Was ihr braucht: Für das inklusive Rugbytraining werden die klassischen Trainingsmaterialien wie Rugbyball und Schutzkleidung benötigt. Der Rugby- ball kommt sowohl bei der klassischen Variante als auch beim Touch Rugby zum Einsatz. Im Rollstuhl- rugby wird dieser durch einen speziellen, dem Vol- leyball ähnlichen Ball ersetzt, dessen Oberfläche für mehr Griffigkeit sorgt. Dieser Effekt wird zusätzlich durch Handschuhe verstärkt. Der körperbetonte Sport schreibt das Tragen eines Zahnschutzes vor, ein Kopfschutz ist optional. Im Rollstuhlrugby ist keine Schutzkleidung vorgeschrieben, da die Sport- ler*innen durch den Rahmen des Rollstuhls ge- schützt werden. Alltagsrollstühle eignen sich nicht für den Sport, allerdings kann für den Einstieg optio- nal auch ein Basketballrollstuhl genutzt werden, der ähnliche Voraussetzungen erfüllt.
    GUT ZU WISSEN
Die Mannschaftssportart Rugby wird auf einem Rasenfeld in zwei Varianten gespielt – entweder mit sie- ben oder mit 15 Spieler*innen. Ziel des Spiels ist es, den Ball am Gegner vorbeizutragen, zu werfen oder zu schießen und in der Endzone abzulegen. Aus dem sehr körperbetonten Sport hat sich die kontaktlose Variante Touch Rugby entwickelt. Auch dabei kommt es darauf an, den Rugbyball in der gegnerischen Endzone abzulegen, allerdings ohne dabei von Gegenspieler*innen berührt zu werden. Touch Rugby wird in der Regel auf einem Rasen- oder Sandplatz gespielt, kann aber auch in der Halle ausgetragen werden. Eine weitere dynamische und robuste Variante in der Halle ist Rollstuhlrugby. Gespielt wird mit leicht an- gepasstem Regelwerk und jeweils vier Spieler*innen in gemischten Teams auf einem Basketballfeld. Ziel ist es, den Ball, der gepasst, gedribbelt oder auf dem Schoß transportiert werden darf, in die gegnerische Endzone zu bringen, ohne dass der Gegner zuvor in Ballbesitz gerät. Harte Rollstuhlkontakte sind erlaubt, Körperkontakte werden mit Bestrafung geahndet. Rugbyrollstühle müssen enorme Stabilität aufweisen, um den Tacklings standzuhalten, gleichzeitig aber auch schnell und wendig sein. Dabei unterscheidet man je nach Bauweise zwischen Offensiv- und Defensivrollstühlen. Offensivrollstühle besitzen abgerun- dete Stoßdämpfer (Wings), die vor gegnerischen Abwehraktionen schützen sollen. Defensivrollstühle sind hingegen mit einem speziellen Vorbau ausgestattet, mit dem sie sich in anderen Rollstühlen verha- ken können, um diese am Weiterfahren zu hindern. Alle Rollstühle sind zusätzlich mit einem Kippschutz ausgestattet.
SO MACHT'S ALLEN SPAß
Durch die unterschiedlichen Anpassungsformen finden alle Spaß an den verschiedenen Rugby-Varianten. Gerade bei Trainingsanfänger*innen kann eine Anpassung der Feldgröße, Spieleranzahl, Spielzeit oder Ballgröße in allen Varianten für zusätzliche Vereinfachung sorgen. Für Menschen mit geistiger Behinde- rung stellt Touch Rugby eine gute Alternative zum körperbetonten klassischen Rugby dar. Für Erleich- terung kann dabei eine Spielbegleitung sorgen. Die Aufgabe besteht darin, die Sportler*innen während
des Spiels zu unterstützen und einzelne Aktionen wie das Fangen oder Werfen des Balls zu übernehmen, ohne darüber hinaus in den Spielverlauf einzugreifen. Für Chancen- gleichheit im Rollstuhlrugby sorgt ein ausgeklügeltes Klassifizierungssystem. Je nach Art der Behinderung werden Punkte an die Sportler*innen vergeben: Je höher die Punktzahl, desto geringer die Einschrän- kung hinsichtlich der sportartspezifischen Fähigkeiten. So darf jede Mannschaft bei nationalen Wettkämpfen nach Ad- dition aller Spieler*innen eine Maximalpunktzahl von sieben Punkten auf dem Feld nicht überschreiten. Durch Anpassungen im Regelwerk ist diese Sport- art besonders attraktiv für Menschen mit Quer- schnittslähmung, Tetraplegie, Spastiken, Muskel- dystrophie, Dysmelien und Amputationen. Für die Teilnahme am Wettkampfbetrieb ist eine Einschränkung an mindestens drei Gliedmaßen vorgeschrieben. Voraussetzung ist, dass die Sportler*innen ihren Rollstuhl eigenständig be-
wegen können.



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